Uli Rennert | 2006 März
Uli Rennert ist Pianist, Komponist und Elektroniker und lebt als freischaffender Musiker und Universitätsdozent in Graz in Österreich. Uli Rennerts künstlerische Arbeit dreht sich seit vielen Jahren um den Einsatz von Synthesizern und Live-Elektronik als expressives Instrumentarium und um die Erforschung der Schnittstellen zwischen Komposition und Improvisation. - Uli Rennert is an Austrian pianist, synthesist, and composer. Rennert is focusing on synthesizers and live-electronics used as expressive musical instruments, and he explores the area between composition and improvisation.
Uli Rennert, jazz, contemporary music, piano, synthesizer, composer, improvisation, producer, Graz, Austria
0
archive,date,ajax_fade,page_not_loaded,,select-theme-ver-3.8.1,vertical_menu_enabled,side_area_uncovered,wpb-js-composer js-comp-ver-5.1.1,vc_responsive
 

März 2006

Der Unbesiegbare

Stanislaw Lem ist nun in die ewigen Weiten seiner Solaris-Welten eingegangen. 

„Nennen wir sie F-Gebilde“, regte Schnaut schnell an.

„Ausgezeichnet.“

Mitten durch den Schirm verlief eine dunkle, senkrechte Linie, zum Zeichen, daß ich gleichzeitig zwei Kanäle empfing – beiderseits von ihr hatten sich die Gesichter meiner Gesprächspartner zu befinden. Doch das Glas war dunkel, und nur ein schmaler Lichtsaum längs des Rahmens zeigte an, daß die Apparatur funktionierte, daß jedoch die Bildschirme mit etwas verhängt waren.

„Jeder von uns hat allerlei Untersuchungen durchgeführt.“

—Stanislaw Lem – Solaris)

Der österreichischen (Pop-)Musik-Szene geht’s ums Geld

In seinem offenen Brief an Bundeskanzler Schüssel, zu lesen in ‚Coda‘, dem Organ der Österreichischen Musikergilde, formuliert Robby Musenbichler, den ich sonst sehr schätze, das Dilemma derartiger Diskussionen um die Förderung kultureller Projekte. 

Das Argument der Umwegrentabilität von Kunst und Musik ist paradox – und lässt sich auf das unkünstlerische Niveau derer herab, die ihr Leben nur nach dem eigenen materiellen Vorteil ausrichten.

Hier der Text:

Zeltweg (7. März 2006)

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Seitdem ich in diesem Land lebe, zahle ich pünktlich meine Steuern und erhalte diesen Staat mit. Ich arbeite seit Jahren als Gitarrist für Rainhard Fendrich und habe bei mehr als tausend Musikproduktionen mitgewirkt. Jahr für Jahr leiste ich mir den „Luxus“, Musik auch zu produzieren. Dieser Vorgang bedeutet für einen einheimischen Musiker einen sehr großen finanziellen Aufwand, und auch damit leiste ich einen Beitrag zu Ihrem Budget.

Ich bin zwar kein Großunternehmer aber trotzdem ein gleichwertiger Bürger dieses Landes – mit Rechten und Pflichten. Dies gilt auch für die Regierung! Ihre Pflicht wäre es, dafür zu sorgen, daß unsere Arbeit, die Arbeit der österreichischen Musikschaffenden, endlich wieder eine Plattform wie in den meisten europäischen Ländern erhält, um eine existenzielle und unternehmerische Chance zu haben. Letztendlich vergeben Sie sich auch die Möglichkeit, mehr Steuergelder im Land Österreich einzuheben, wenn Sie sich dem globalen Marktdiktat der großen Musikkonzerne unterwerfen, die in Österreich nur eine Spielwiese für ihre eigene Gewinne sehen.

Die Musiker in Österreich verlangen eine Angleichung des Rundfunkeinsatzes von „in Österreich produzierter Musik“ an den europäischen Standard, das sind rund 40 Prozent jeweils regionales Musikschaffen. Wir fordern dies über unsere Interessenvertretungen seit Jahren. Mit der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt haben Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, nun die notwendige internationale Rückendeckung erhalten und können sofort ein diesbezügliches Gesetz einbringen. 

Teilen Sie mir bitte umgehend mit, welche Schritte Sie wann setzen werden, um die österreichische Musik im Radio und im Fernsehen wieder deutlich wahrnehmbar zu machen.

Mit freundlichen Grüßen 

Robby Musenbichler