Uli Rennert | 2017 Februar
Uli Rennert ist Pianist, Komponist und Elektroniker und lebt als freischaffender Musiker und Universitätsdozent in Graz in Österreich. Uli Rennerts künstlerische Arbeit dreht sich seit vielen Jahren um den Einsatz von Synthesizern und Live-Elektronik als expressives Instrumentarium und um die Erforschung der Schnittstellen zwischen Komposition und Improvisation. - Uli Rennert is an Austrian pianist, synthesist, and composer. Rennert is focusing on synthesizers and live-electronics used as expressive musical instruments, and he explores the area between composition and improvisation.
Uli Rennert, jazz, contemporary music, piano, synthesizer, composer, improvisation, producer, Graz, Austria
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Februar 2017

Schabata Rennert Roder Soyka

„Richtig schön!“

Sehr schöne Kritik über die CD ‚viererlei‚ von Michael Ternai:

Treffen einmal vier Ausnahmekönner wie ULI RENNERT, WOODY SCHABATA, JAN RODER und ULI SOYKA einmal in einer Band aufeinander, kann man davon ausgehen, dass es musikalisch so richtig zur Sache geht. Und so ist es auch. Auf dem nun erscheinenden Album „Vielerlei“ (Pan Tau – X/VÖ 23.2.) zeigt das Jazz-Quartett auf mitreißende Weise, was Aufregedendes heute unter dem Begriff Improvisation verstanden werden kann.

Die hohe Kunst der Improvisation und noch viel mehr, genau das ist es, was sich dieses musikalisch zu allen Seiten offen agierende und freidenkende Quartett auf seinem Livealbum „Vielerlei“ zum alles bestimmenden Programm gemacht hat. Uli Rennert (Piano), Woody Schabata (Vibrafon), Jan Roder (Kontrabass) und Uli Soyka (Schlagzeug, Spielsachen) zählen bekanntermaßen seit vielen, vielen Jahren nun schon zu ausgewiesenen Experten des freien Spiels. Wenn sie einmal loslegen und beginnen, sich die Ideen nur so zuzuwerfen, kommt gleichzeitig eine musikalische Kettereaktion in Gang, der eigentlich kaum Einhalt geboten werden kann und die auf wunderbar kreative Weise die unterschiedlichsten klanglichen Blüten treibt.

Es geht in den Stücken des Vierers ungemein munter und lebendig zu, der musikalischen Vielfalt sind alle Tore geöffnet, dem instrumentalen Virtuosentum ebenso, das Überschreiten und Außerkraftsetzen der Grenzen zwischen den verschiedenen Formen des Jazz wird zum ereignisreichen Spiel, die unvorhersehbaren Wendungen, Brüche und Richtungsänderungen zum spannungsgeladenen musikalischen Drehbuch. Das Quartett spannt sich in seinen Stücken den Bogen auf vielschichtige Art sehr weit, vom von jeder Struktur losgelösten Vertrackten bis hin zum mehr Melodiereichen, vom Wilden und Ungestümen bis hin zum gediegen Eleganten, vom Ruhigen und Minimalistischen bis hin zum mitreißenden Aufgeregten. Es wird leichtfüßig geswingt, intensiv gegroovt, umwerfend soliert und kunstvoll mit dem Klang experimentiert.

Das Besondere an der Musik dieser Formation ist, dass diese dabei niemals in Chaotische verfällt, sondern immer die Ordnung hält und zugänglich wie auch verständlich bleibt. Was vor allem auch darauf zurückzuführen ist, dass die Beteiligten bewusst den Gruppenklang suchen, der jedem einzelnen denselben künstlerischen Raum zur Entfaltung bietet. Und diesen wissen die vier Musiker auf wirklich unnachahmliche Art und mit hörbarer Freude für sich zu nutzen.

Uli Rennert, Woody Schabata, Jan Roder und Uli Soyka unterstreichen auf „Vielerlei“ einmal mehr ihre außergewöhnlichen musikalischen Qualitäten. Sie zeigen auf, dass es in der Improvisation nicht immer sperrig zugehen muss. Dem Quartett gelingt es, seine Musik mit Gefühl aufzuladen, das einen wirklich packt.

Richtig schön.

Hühnerfricassée – Fricassée de volaille

Monsieur Paul braucht in seinem Standardwerk ‚La Cuisine du marché‘ (der deutsche Titel lautet ein wenig missverständlich ‚Die Neue Küche‘) fast zwei Seiten für sein ‚Fricassée de Poulet vallée d’Auge‘. Das ‚Fricassée de volaille de Bresse aux morilles‘, das man zur Zeit in seiner Auberge du Pont de Collonges geniessen kann, ist nicht weniger umständlich in der Zubereitung. Nun hat sich Elisabeth Raether in der Zeit vom 9. Juli 2016 in der Reihe ‚verhunzte Klassiker‘ um eine stark vereinfachte Version dieses Klassikers bemüht. Zu stark vereinfacht, wie ich meine. Hier nun mein Vorschlag:

  • Hühnerbrust mit Haut und Knochen
  • Hühnerklein mit Hühnermagen
  • Suppengemüse (Möhre, Gelbe Rübe, Sellerie, Petersilienwurzel, Lauch, Zwiebel)
  • Noilly Prat
  • Frische Pilze (Dunkle Champignons, Kräuterseitlinge, Steinpilze, …)
  • Schalotten
  • Olivenöl (nicht zu aromatisch)
  • Butter
  • Mehl (glatt)
  • ca. 1/4 l Weißwein
  • ca. 1/4 l Schlagobers
  • Estragon (entweder frisch und fein geschnitten oder gefriergetrocknet)
  • Salz, Pfeffer (frisch gemahlen)

Die Hühnerbrüste auslösen, dabei den kleinen Knochen beim Fleisch lassen. Aus der Karkasse zusammen mit dem Hühnerklein, dem Magen, der Zwiebel und dem Suppengrün (alles grob zerkleinert) mit Wasser und einem Schuss Noilly Prat eine Suppe kochen. Das kann gerne etwa 2 Stunden dauern. Die Brühe abseihen und weiter einkochen, bis nur noch ca. 100 ml davon übrig sind.

Nun die Pilze putzen und in nicht zu kleine Stücke zerteilen, die Stiele fein hacken, und alles in Olivenöl nicht zu heiss andünsten. Wenn die Pilze etwas zusammengegangen sind, die sehr fein geschnittenen Schalotten zugeben und eine Zeit lang mitdünsten, ohne dass zuviel Röstaromen dabei entstehen. Salzen und pfeffern. Diese Mischung zu der Hühnerreduktion geben und bereitstellen.

Jetzt die in grösszügig zerteilte Hühnerbrust in reichlich Butter sehr langsam anbraten. Salzen, mit etwas Mehl stauben und ständig in der Butter wenden, ohne dass das Mehl Farbe nimmt. Pfeffern. Nach einigen Minuten mit Weisswein ablöschen und nun solange einkochen, bis das Fleisch gar, aber noch saftig ist.

Mit dem Schlagober aufgiessen, und wenige Minuten weiter vorsichtig einkochen. Die Pilze mit dem Hühnerjus, sowie etwas Estragon zugeben und noch etwas durchziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Bocuse kombiniert das Fricassée mit Morcheln, die in einer Madeira-Reduktion gegart werden. Auch das wäre schön, wenn man möchte. Auch glaciertes Gemüse macht sich gut.

Die klassische Beilage zu Frikassée ist Butterreis. Mir schmeckt ein gutes Baguette. Dazu derselbe Wein, mit dem ich gekocht habe – also sollte er von ausgezeichneter Qualität sein!