Uli Rennert | Blog
Uli Rennert ist Pianist, Komponist und Elektroniker und lebt als freischaffender Musiker und Universitätsdozent in Graz in Österreich. Uli Rennerts künstlerische Arbeit dreht sich seit vielen Jahren um den Einsatz von Synthesizern und Live-Elektronik als expressives Instrumentarium und um die Erforschung der Schnittstellen zwischen Komposition und Improvisation. - Uli Rennert is an Austrian pianist, synthesist, and composer. Rennert is focusing on synthesizers and live-electronics used as expressive musical instruments, and he explores the area between composition and improvisation.
Uli Rennert, jazz, contemporary music, piano, synthesizer, composer, improvisation, producer, Graz, Austria
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viererlei in & out - ptx 018

New CD: viererlei – in & out

Recorded live 11.7.2016 @ OFF Theater, Vienna

viererlei in & out - ptx 018

Woody Schabata – vibraphone
Uli Rennert – piano, sounds
Jan Roder – double bass
Uli Soyka – drums, toys, percussions, alto-recorder

pan tau-x shop

Warum Jazz?

Warum? Es ist dies die wichtigste Frage, die wir uns stellen können — als Musiker, als Künstler, als Menschen. Die Frage nachdem Warum ist essenziell. Immer wieder versuche ich auch, meine Studierenden mit diesem Fragen nach dem Woher und Wohin zu konfrontieren, sie zu ermutigen, über Inhalte und deren Konsequenzen nachzudenken.

Oft denken wir ja als Musiker nur über das Was nach: Welches Instrument könnte ich spielen, welches kann ich mir leisten, wie sieht es aus, welchen Nimbus hat es, welche Stücke können wir spielen, wer hat gerade Zeit für einen Gig — und so weiter.

Aber auch das Wie wird durchdacht: Spielen wir es in dieser oder in jener Version, schnell oder eher langsamer, welche Besetzung soll die Band haben, welche Art von Voicings verwende ich, sollen wir eine zweite Stimme hinzufügen, wie hat es Bill Evans gespielt?

Warum aber jemand etwas spielt, ist die eine Frage, die […] scheinbar selten gestellt wird — gibt es doch so viele Vorgaben, Gewohnheiten und stillschweigende Übereinkünfte, die uns sagen, dass man eben das und das so und so zu spielen hat, weil das eben so ist, und so weiter. Und immerhin: Charlie Parker und Louis Armstrong und Sonny Rollins und all die anderen Heroes haben es ja scheinbar auch so gemacht! Oder etwa nicht? Fragen wir uns denn auch, warum diese Leute so gespielt haben, wie wir es von all den Aufnahmen her kennen und lieben? Warum sie dieses, und nicht ein anderes Stück so gespielt haben, wie sie es eben gespielt haben? Und fragen wir uns selbst, weshalb es gerade so und nicht anders klingen soll?

Woher kommt denn eigentlich die Authentizität einer überragenden musikalischen Performance? Woher kommt es, dass ich als Zuhörer von einem Stück, von einem Solo, von einer Band gefangen bin? Warum kann mich ein Konzert, eine Aufnahme im Wortsinn ‚in ihren Bann ziehen‘? Ich glaube, dass dabei die Beantwortung eben genau dieser Fragen eine grosse Rolle spielt: Warum spiele ich etwas, warum wähle ich dieses Stück aus, warum diese Akkordfolge, warum diesen Beat – und so weiter. Nicht, dass die Zuhörer über die genauen Motive und Überlegungen Bescheid wissen müssten — aber sie können es spüren, denke ich. Authentizität auf dem Konzertpodium — und sei die Bühne noch so klein! — hat etwas unentrinnbares, ist überzeugend, fühlt sich gut und richtig an. Sie stellt sich aber vermutlich nur dann ein, wenn jemand weiss, warum er etwas tut.

Und ich denke, wir als Jazzmusiker sollten darauf besonderen Wert legen, denn wir sind es, die Musik im Moment kreieren und eine der direktesten und emotionalsten Ausdrucksformen pflegen, die es in der Musik überhaupt gibt: die Improvisation.

(Vorwort zum Programmfolder der Konzertreihe KUG Jazz für Mai 2016)

Eierschwammerl geröstet

Geröstete Eierschwammerl (zu deutsch: Pfifferlinge) gibt es in Österreich wärend der Saison allüberall. Meist einfach mit Zwiebeln geröstet oder mit Rührei oder als Schwammerlgulasch mit Semmelknödeln. Hier meine etwas mediterranere Version mit rotem Paprika und Kartoffeln.
  • Eierschwammerl, geputzt und in mundgerechte Stücke geteilt, wenn nötig
  • Zwiebel, rot und aromatisch, fein geschnitten
  • Paprika, rot, in feine Streifen geschnitten
  • Festkochende Erdäpfel, geschält, gewürfelt, gekocht
  • etwas Rohschinken, gewürfelt
  • etwas Knoblauch, sehr fein gehackt (nicht gepresst!)
  • Distelöl (oder ein anderes hochwertiges geschmacksneutrales Öl)
  • Butter
  • Tomatenmark
  • frische Kräuter
  • Salz
  • Pfeffer
KräuterDie Pilze mit den Zwiebeln und der Paprika im heissen Öl anrösten. Die Schwammerln werden nach kurzer Zeit Feuchtigkeit abgeben. Einfach weiter dünsten lassen und nach und nach den Schinken, etwas Tomatenmark und ein wenig Knoblauch zugeben. Immer wieder umrühren.
Wenn die Flüssigkeit fast ganz verdampft ist, kommen die Erdäpfel dazu. Sind diese erwärmt, mit einem Löffel Butter und den Kräutern abschmecken. Erst jetzt salzen und pfeffern.
Dazu passt beispielsweise ein schöner Riesling aus der Wachau.
Schabata Rennert Roder Soyka

„Richtig schön!“

Sehr schöne Kritik über die CD ‚viererlei‚ von Michael Ternai:

Treffen einmal vier Ausnahmekönner wie ULI RENNERT, WOODY SCHABATA, JAN RODER und ULI SOYKA einmal in einer Band aufeinander, kann man davon ausgehen, dass es musikalisch so richtig zur Sache geht. Und so ist es auch. Auf dem nun erscheinenden Album „Vielerlei“ (Pan Tau – X/VÖ 23.2.) zeigt das Jazz-Quartett auf mitreißende Weise, was Aufregedendes heute unter dem Begriff Improvisation verstanden werden kann.

Die hohe Kunst der Improvisation und noch viel mehr, genau das ist es, was sich dieses musikalisch zu allen Seiten offen agierende und freidenkende Quartett auf seinem Livealbum „Vielerlei“ zum alles bestimmenden Programm gemacht hat. Uli Rennert (Piano), Woody Schabata (Vibrafon), Jan Roder (Kontrabass) und Uli Soyka (Schlagzeug, Spielsachen) zählen bekanntermaßen seit vielen, vielen Jahren nun schon zu ausgewiesenen Experten des freien Spiels. Wenn sie einmal loslegen und beginnen, sich die Ideen nur so zuzuwerfen, kommt gleichzeitig eine musikalische Kettereaktion in Gang, der eigentlich kaum Einhalt geboten werden kann und die auf wunderbar kreative Weise die unterschiedlichsten klanglichen Blüten treibt.

Es geht in den Stücken des Vierers ungemein munter und lebendig zu, der musikalischen Vielfalt sind alle Tore geöffnet, dem instrumentalen Virtuosentum ebenso, das Überschreiten und Außerkraftsetzen der Grenzen zwischen den verschiedenen Formen des Jazz wird zum ereignisreichen Spiel, die unvorhersehbaren Wendungen, Brüche und Richtungsänderungen zum spannungsgeladenen musikalischen Drehbuch. Das Quartett spannt sich in seinen Stücken den Bogen auf vielschichtige Art sehr weit, vom von jeder Struktur losgelösten Vertrackten bis hin zum mehr Melodiereichen, vom Wilden und Ungestümen bis hin zum gediegen Eleganten, vom Ruhigen und Minimalistischen bis hin zum mitreißenden Aufgeregten. Es wird leichtfüßig geswingt, intensiv gegroovt, umwerfend soliert und kunstvoll mit dem Klang experimentiert.

Das Besondere an der Musik dieser Formation ist, dass diese dabei niemals in Chaotische verfällt, sondern immer die Ordnung hält und zugänglich wie auch verständlich bleibt. Was vor allem auch darauf zurückzuführen ist, dass die Beteiligten bewusst den Gruppenklang suchen, der jedem einzelnen denselben künstlerischen Raum zur Entfaltung bietet. Und diesen wissen die vier Musiker auf wirklich unnachahmliche Art und mit hörbarer Freude für sich zu nutzen.

Uli Rennert, Woody Schabata, Jan Roder und Uli Soyka unterstreichen auf „Vielerlei“ einmal mehr ihre außergewöhnlichen musikalischen Qualitäten. Sie zeigen auf, dass es in der Improvisation nicht immer sperrig zugehen muss. Dem Quartett gelingt es, seine Musik mit Gefühl aufzuladen, das einen wirklich packt.

Richtig schön.

Hühnerfricassée – Fricassée de volaille

Monsieur Paul braucht in seinem Standardwerk ‚La Cuisine du marché‘ (der deutsche Titel lautet ein wenig missverständlich ‚Die Neue Küche‘) fast zwei Seiten für sein ‚Fricassée de Poulet vallée d’Auge‘. Das ‚Fricassée de volaille de Bresse aux morilles‘, das man zur Zeit in seiner Auberge du Pont de Collonges geniessen kann, ist nicht weniger umständlich in der Zubereitung. Nun hat sich Elisabeth Raether in der Zeit vom 9. Juli 2016 in der Reihe ‚verhunzte Klassiker‘ um eine stark vereinfachte Version dieses Klassikers bemüht. Zu stark vereinfacht, wie ich meine. Hier nun mein Vorschlag:

  • Hühnerbrust mit Haut und Knochen
  • Hühnerklein mit Hühnermagen
  • Suppengemüse (Möhre, Gelbe Rübe, Sellerie, Petersilienwurzel, Lauch, Zwiebel)
  • Noilly Prat
  • Frische Pilze (Dunkle Champignons, Kräuterseitlinge, Steinpilze, …)
  • Schalotten
  • Olivenöl (nicht zu aromatisch)
  • Butter
  • Mehl (glatt)
  • ca. 1/4 l Weißwein
  • ca. 1/4 l Schlagobers
  • Estragon (entweder frisch und fein geschnitten oder gefriergetrocknet)
  • Salz, Pfeffer (frisch gemahlen)

Die Hühnerbrüste auslösen, dabei den kleinen Knochen beim Fleisch lassen. Aus der Karkasse zusammen mit dem Hühnerklein, dem Magen, der Zwiebel und dem Suppengrün (alles grob zerkleinert) mit Wasser und einem Schuss Noilly Prat eine Suppe kochen. Das kann gerne etwa 2 Stunden dauern. Die Brühe abseihen und weiter einkochen, bis nur noch ca. 100 ml davon übrig sind.

Nun die Pilze putzen und in nicht zu kleine Stücke zerteilen, die Stiele fein hacken, und alles in Olivenöl nicht zu heiss andünsten. Wenn die Pilze etwas zusammengegangen sind, die sehr fein geschnittenen Schalotten zugeben und eine Zeit lang mitdünsten, ohne dass zuviel Röstaromen dabei entstehen. Salzen und pfeffern. Diese Mischung zu der Hühnerreduktion geben und bereitstellen.

Jetzt die in grösszügig zerteilte Hühnerbrust in reichlich Butter sehr langsam anbraten. Salzen, mit etwas Mehl stauben und ständig in der Butter wenden, ohne dass das Mehl Farbe nimmt. Pfeffern. Nach einigen Minuten mit Weisswein ablöschen und nun solange einkochen, bis das Fleisch gar, aber noch saftig ist.

Mit dem Schlagober aufgiessen, und wenige Minuten weiter vorsichtig einkochen. Die Pilze mit dem Hühnerjus, sowie etwas Estragon zugeben und noch etwas durchziehen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Bocuse kombiniert das Fricassée mit Morcheln, die in einer Madeira-Reduktion gegart werden. Auch das wäre schön, wenn man möchte. Auch glaciertes Gemüse macht sich gut.

Die klassische Beilage zu Frikassée ist Butterreis. Mir schmeckt ein gutes Baguette. Dazu derselbe Wein, mit dem ich gekocht habe – also sollte er von ausgezeichneter Qualität sein!