Der österreichischen (Pop-)Musik-Szene geht’s ums Geld

In seinem offenen Brief an Bundeskanzler Schüssel, zu lesen in ‚Coda‘, dem Organ der Österreichischen Musikergilde, formuliert Robby Musenbichler, den ich sonst sehr schätze, das Dilemma derartiger Diskussionen um die Förderung kultureller Projekte. 

Das Argument der Umwegrentabilität von Kunst und Musik ist paradox – und lässt sich auf das unkünstlerische Niveau derer herab, die ihr Leben nur nach dem eigenen materiellen Vorteil ausrichten.

Hier der Text:

Zeltweg (7. März 2006)

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Seitdem ich in diesem Land lebe, zahle ich pünktlich meine Steuern und erhalte diesen Staat mit. Ich arbeite seit Jahren als Gitarrist für Rainhard Fendrich und habe bei mehr als tausend Musikproduktionen mitgewirkt. Jahr für Jahr leiste ich mir den „Luxus“, Musik auch zu produzieren. Dieser Vorgang bedeutet für einen einheimischen Musiker einen sehr großen finanziellen Aufwand, und auch damit leiste ich einen Beitrag zu Ihrem Budget.

Ich bin zwar kein Großunternehmer aber trotzdem ein gleichwertiger Bürger dieses Landes – mit Rechten und Pflichten. Dies gilt auch für die Regierung! Ihre Pflicht wäre es, dafür zu sorgen, daß unsere Arbeit, die Arbeit der österreichischen Musikschaffenden, endlich wieder eine Plattform wie in den meisten europäischen Ländern erhält, um eine existenzielle und unternehmerische Chance zu haben. Letztendlich vergeben Sie sich auch die Möglichkeit, mehr Steuergelder im Land Österreich einzuheben, wenn Sie sich dem globalen Marktdiktat der großen Musikkonzerne unterwerfen, die in Österreich nur eine Spielwiese für ihre eigene Gewinne sehen.

Die Musiker in Österreich verlangen eine Angleichung des Rundfunkeinsatzes von „in Österreich produzierter Musik“ an den europäischen Standard, das sind rund 40 Prozent jeweils regionales Musikschaffen. Wir fordern dies über unsere Interessenvertretungen seit Jahren. Mit der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt haben Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler, nun die notwendige internationale Rückendeckung erhalten und können sofort ein diesbezügliches Gesetz einbringen. 

Teilen Sie mir bitte umgehend mit, welche Schritte Sie wann setzen werden, um die österreichische Musik im Radio und im Fernsehen wieder deutlich wahrnehmbar zu machen.

Mit freundlichen Grüßen 

Robby Musenbichler