Keine Kompromisse?

Eines meiner Schul-Ensembles wurde letzte Woche für eine Festveranstaltung der Industriellenvereinigung engagiert. Im Anschluss daran gab es eine interessante Diskussion darüber, wie sehr man auf den mutmasslichen Geschmack des Publikums eingehen sollte.

Die Veranstaltung war eine Preisverleihung; das bedeutet eine Menge Reden und in diesem Fall eine Menge Präsentationsvideos. Davor, dazwischen und danach schmücken sich solche Events gerne mit Jazz-MusikerInnen (die sind meist jung, dynamisch, spielfreudig und flexibel, was die Organisation anbelangt – und nicht zuletzt preiswert …). Diese Band arbeitet nun normalerweise an eher anspruchsvollen Nummern und die Programmauswahl wurde so gewählt, dass neben solchen Stücken auch ein vermeintlich dem Publikum näher liegendes, groovig-bluesiges Stück (Moanin‘) gespielt wurde. Unsere Beobachtung war dann vollkommen gegenteilig: Die Zuhörer reagierten nämlich sehr positiv auf die Stücke, die auch wir zu unseren persönlichen Favoriten zählen. Hingegen sind weder die jungen Musiker-Kollegen, noch das Publikum der speziellen Sprache, die Bobby Timmons‘ Moanin‘ spricht wirklich mächtig (damit will ich nicht sagen, dass das Stück schlecht gespielt wurde!).

Jedenfalls hat die ganze Situation – inklusive der sonstigen Rahmenbedingungen (keine Bühne, kein Catering, schlechter Sound, …) – einmal mehr zu einem intensiven Gespräch über die grundsätzliche Frage geführt, ob Jazz-Musiker überhaupt irgendwelche Kompromisse in Richtung auf das Publikum machen, oder lieber selbstbewusst und geradlinig ihre eigene Richtung verfolgen sollen. Ich bin in dieser Frage absolut der Meinung, dass Dave Liebman recht hat, wenn er sagt: ‚Das Publikum hat ein Recht darauf, dass die Musiker für sich selbst spielen.‘

Der Abend war sehr lehrreich!