Kathreiner Kneipp-Malz-KaffeKleine Kinder sollten keinen Kaffe trinken, heisst es — heisst es von den gleichen Leuten, die den gleichen Kindern ohne Skrupel Cola und Pommes verfüttern. Ähnlich ist es mit sogenannten Kinderprogrammen: Kinderoper, Kindertheater, Kindermuseum, Kinder-Uni, Kids-Club, Kiddy-Contest …

Bald vielleicht auch Kinder-Börse, Kinder-Autobahn, Kinder-Altenpflege. Kinder-Pornos gibt es ja schon.

Warum ich mich so echauffiere?

Ich habe nun viele Jahre die Szene der Programme und Aktionen zur Kunstvermittlung an junge und sehr junge Menschen verfolgt — einerseits als Vater einer mittlerweile ziemlich erwachsenen Tochter, andererseits als Kollaborateur bei diversen solchen Projekten. Die Überlegungen dahinter sind einleuchtend: Kinder sind die Hörer und Zuseher, die Rezipienten von Morgen, sagen gutmeinende Macher solcher Veranstaltungen. Und nicht zuletzt werden Kinderprogramme seit Jahren gut subventioniert.

Nochmal: Kinder sind das Publikum von morgen.

Falsch!

Ich sage: Kinder sind das Publikum von heute! Lasst doch junges Publikum einfach in Ruhe ihr Ding machen. Es gibt nichts schlimmeres, als Eltern und Kunstvermittler, die den Kleinen ständig sagen, wie sie etwas hören und sehen, wie sie etwas erleben sollen. Hier liegt ein grundlegender Denkfehler der sogenannten Erwachsenen vor: Sie meinen, dass es nötig wäre, Kindern ihre Kategorien, Denk- und Erlebensmuster aufzudrücken. Dabei merken sie nicht, dass sie selbst es sind, die interessanter Musik, inspirierten Theaterabenden usw. vollkommen hilflos gegenüberstehen.

Kinder haben noch keine Schubladen, in die sie einordnen. Das lernen sie erst im Umgang mit den Erwachsenen. Doch ist es ja gerade das Fehlen dieser Schubladen, das es Kindern ermöglicht, künstlerische Produkte so unvermittelt — un-ver-mittelt — zu erleben.

Leider ist festzustellen, dass erwachsene, sogenannte gebildete Menschen weder mit den Ohren hören, noch mit den Augen sehen können.

Kinder können das. Noch.

Siehe auch folgende Beiträge:
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5 Responses to Kinderprogramme sind Kinderkaffe

  1. gregor sagt:

    Jawollo Uli!! Unterschreibe ich 1000 mal!! :-))

  2. Bernhard van Ham sagt:

    Oh, Mann, ist ja ziemlich unglaublich! Gratuliere, dass Du da so engagiert und offen Stellung beziehst, mir sind solche Diskussionen meist zu mühsam. Ist aber wichtig, schließlich geht’s um was.

  3. Uli Rennert sagt:

    Eine interessante Diskussion zum Thema gibt es auch zurzeit im deutschen Finale-Forum: http://www.finaleforum.superflexible.net/viewtopic.php?t=3136

  4. Uli Rennert sagt:

    Guter Gedanke — und eigentlich ein bisschen beängstigend!

  5. Bernhard van Ham sagt:

    Vielleicht muss man noch einen Schritt weiter gehen: Kinderprogramme in ihrer Un-vielfalt gibt es deshalb, damit Kinder sich nicht zu kulturell mündigen, selbst entscheidenden Erwachsenen entwickeln, die dann evtl. sogar die existierenden Werte der jetzigen Erwachsenen in Frage stellen oder womöglich kippen. Kinderprogramme wirken also stabilisierend auf die Gesellschaft und sind eine Art Altersversicherung für die jetzigen “Kulturschaffenden”. Ausnahmen bestätigen die Regel.

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Rennert Gesing Herbert<br>Live in Vienna
Uli Rennert - piano Klaus Gesing - soprano saxophone, bassclarinet, percussion Peter Herbert - doublebass
... eine fliessende, in ihrer Klarheit beeindruckende Bildersequenz von gleichsam kompositorischer Stringenz ... — Andreas Felber, Der Standard
Project M
Three clarinets and a grand piano, compositions by Thelonious Monk, Hugh Martin, and Uli Rennert, recorded in one of the finest locations for chamber music in Austria.
Es ist fein durchdachte Kammermusik, die man hier erlebt. Pianist Uli Rennert hat sich in die Musik von Thelonious Monk vertieft und Schlussfolgerungen gezogen, die raffiniert sanft überzeugen. — Ljubisa Tosic, Der Standard
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... eine hoch spannende wie facettenreiche Entdeckungsreise [...] die unterschiedlichste musikalische Stil- und Klangwelten miteinander vereint und nur so vor Einfallsreichtum, Spielwitz und überraschenden Wendungen strotzt. — Michael Ternai, MICA