Kottan ermittelt wieder

 

Köstliche Glosse unter dem Titel ‚Doch Kottan‘ von Johannes Rauscher im heutigen Standard zu interessanten Vorgängen im österreichischen Büro für Innere Angelegenheiten: 

Also gut. Es handelt sich nicht um eine Retourkutsche. Das 

polizeiliche Büro für Innere Angelegenheiten (BIA) wurde, so dessen Chef, nicht dafür eingesetzt, um vor der Wahl herauszukriegen, ob Altbundeskanzler Franz Vranitzky nicht auch eine illegale Pflegerin für seine Schwiegermutter hat.

Es ging nur darum, für die Staatsanwaltschaft seine Adresse herauszukriegen, damit man ihm eine Bawag-Zeugenladung schicken kann. Eine Aufgabe, würdig der Cops aus der US-Krimi-Serie „Without a Trace“ („Spurlos“). Wo mit der Suche beginnen? Im Foyer seines Hauses saß zwar jahrelang ein Kriminalbeamter, aber das war zu einfach. Auch bei der SPÖ anrufen oder im SPÖ-Klub – unsere erfahrenen Spürhunde setzen lieber auf Fußarbeit.

So läuteten an einem heißen Augusttag 2006 zwei Beamte (Cops gehen immer zu zweit) an einer Adresse, wo Vranitzky seit 30 Jahren nicht mehr wohnt. Dort verwies eine hilfreiche Nachbarin auf die Schwiegermutter im Seniorenheim. Bingo!

Im Seniorenheim rief die Schwester zwar zunächst die Polizei, aber dann erfuhr man Vranitzkys aktuelle Adresse. Zwei harte Cops konnten stolz auf einen schwierigen Job sein.

— Hans Rauscher/Der Standard, 13.2.2008