Masse statt Klasse

Lo-Res rules.

Vor Jahren habe ich (schon zum zweiten Mal) eine semi-professionelle Kameraausrüstung (analog) verscherbelt. Ich dachte mir damals, dass ich die künstlerisch motivierte Fotografie lieber den hauptamtlichen Fotokünstlern überlassen sollte, die dafür viel Zeit investieren (können).

Sehe ich heute – immer noch fasziniert von der Technik … – aktuelle digitale Kamera-Modelle, überlege ich, was eine ernsthafte Beschäftigung mit auch technisch hochwertiger Fotokunst noch bedeuten kann, betrachtet man die Millionen von schlechten Amateurbildchen in miserabler Qualität, die das weltweite Netz überfluten und die Betrachter trotz des eindeutig minderwertigen bildnerischen und fotografischen Niveaus zu Begeisterungsstürmen hinreissen.

Gleiches spielt sich offenbar auch im Bereich der Aufnahme und Wiedergabe von Musik ab: Abgesehen von dem als „Loudness-War“ bezeichneten Wettbewerb der (Pop-)Produzenten, bei dem es um die gnadenlose Nivellierung musikalischer Dynamik zugunsten einer hörpsychologisch aufgeblasenen Lautheit – und damit Wichtigkeit – nichtssagender Aufgüsse wiedergekäuter Altlasten des Massengeschacks geht, scheinen die Hörgewohnheiten heutiger Menschen langsam abzustumpfen. Ein lieber Kollege an der Basler Musikhochschule berichtete von Tests und Feldversuchen mit (Musik!-)Studenden, bei denen es um Hörvergleiche ging, bei denen Aufnahmen in CD-Qualität solchen in verschieden stark komprimierten mp3-Formaten gegenübergestellt wurden. Ergebnis: Fast alle Probanden bewerteten die höher komprimierten Versionen als besser!

Der Untergang des Abendlandes steht kurz bevor!