Max Frisch: Tagebücher

1946 – 49 und 1966 -71

Ich bin ja lange schon ein begeisterter Max-Frisch-Leser und habe Bücher wie ‚Stiller‘, ‚Mein Name sei Gantenbein‘, aber auch so seltsame Elaborate wie ‚Der Mensch erscheint im Holozän‘ geradezu verschlungen. Nachdem ich nun kürzlich erst ‚Montauk‘ gelesen hatte, wurde ich auf die Tagebücher aufmerksam.

Erwartet hatte ich die übliche Aneinanderreihung von eher für den Frisch-Forscher interessanten Berichten über mehr oder weniger alltägliche Ereignisse rund um das Oeuvre. Aber: Die Tagebücher von Max Frisch sind eine spannende und aussergewöhnlich originelle Sammlung kleiner Prosa-Entwürfe und Geschichten – mit allen Frisch-Attributen: kreative und genaue Sprache, gesellschaftskritische Grundhaltung, Aussagekraft, die schweizerische Perspektive, usw. Etwa die genauen und gleichzeitig eigenwilligen Beobachtungen während seiner Reisen durch das Nachkriegs-Europa, die Auseinadersetzung mit den Entwicklungen des ‚realen Sozialismus‘, und vieles mehr machen die Tagebücher zu einer Fundgrube aussergewöhnlichen Lesevergnügens und selten intelligenter Denkanstösse.