Uli Rennert | Namenlose Soundtracks
Uli Rennert ist Pianist, Komponist und Elektroniker und lebt als freischaffender Musiker und Universitätsdozent in Graz in Österreich. Uli Rennerts künstlerische Arbeit dreht sich seit vielen Jahren um den Einsatz von Synthesizern und Live-Elektronik als expressives Instrumentarium und um die Erforschung der Schnittstellen zwischen Komposition und Improvisation. - Uli Rennert is an Austrian pianist, synthesist, and composer. Rennert is focusing on synthesizers and live-electronics used as expressive musical instruments, and he explores the area between composition and improvisation.
Uli Rennert, jazz, contemporary music, piano, synthesizer, composer, improvisation, producer, Graz, Austria
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Namenlose Soundtracks

Namenlose Soundtracks

TV-DokuDie Weihnachtsfeiertage und die mit ihnen vollkommen überraschend einsetzende Ferienzeit bringen mir nun schon seit vielen Jahren heftige grippale Infekte ein, die es mir ermöglichen, das gesamte zu dieser Zeit angebotene TV-Repertoire eingehenden Untersuchungen zu unterziehen — und mich dabei gleichzeitig durch den haltlosen Konsum diverser Dokureihen und populärwissenschaftlicher Features weiterzubilden.

Dabei ist neben der allgemeinen Übersicht über die Entwicklung terrestrischen Lebens (in 5 Teilen auf 3sat) auch einiges über ferne Länder, deren Gebräuche, Flora. Faune, und was-weis-ich-noch-alles zu erfahren; die Bibelfestigkeit wird gerade in dieser Zeit enorm gefördert und auch Fragen zum musikalischen Rand-, Spezial und Insiderwissen finden in mannigfaltiger Weise Erörterung.

NotenstichNun ist (fast) allen diesen Produktionen eines gemeinsam: Die Regisseure und Filmemacher meinen, ihre Botschaft durch einschlägige Musik-Untermalung besser transportieren zu können. Dass zeitgemässe Natur-Dokumentationen kaum noch ohne Special-Effects und überlebensgrosses Sounddesign auskommen, hat der geneigte TV-Rezipient seit langem schon akzeptiert. Aber hört denn niemand diese Soundtracks? Diese unheil- und pathos-schwangeren Abklatsche grossen Kinos? Da werden dramatische Evolutionsschritte mit tiefen Kontrabässen begleitet, mediantengerückte Hörnsignale künden von Unwettern im zentral-afrikanischen Urwald, Posauneund zarte Streicher (con sordino!) verklären im Verein mit lieblichen Holzbläsersätzen das Happy-End einer verzwickten Liebesgeschichte unter neuseeländischen Seepferdchen.

Muss das sein?

Nicht umsonst wird dann in den Abspännen der Sendungen meist mit keinem Wort auf die Schöpfer ihrer unsäglichen Soundtracks hingewiesen. Aber sollte man denen denn überhaupt die Schuld geben für ihre irregeleiteten Elaborate? Wahrscheinlich nicht. Die Kollegen arbeiten in bester Absicht und sind für die finalen Entscheidungen, die am Schnittplatz oder am Mischpult getroffen werden, kaum verantwortlich zu machen.

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