Platzhalter Kommerz

Etwas als kommerziell zu bezeichnen ist nicht per se negativ. Damit wird nichts über die Qualität ausgesagt.
Es ist heute aber doch so, dass mit den allermeisten Unternehmungen und Aktivitäten, deren Fokus darauf liegt, sich erfolgreich verkaufen zu können, versucht wird, einen möglichst grossen Marktanteil zu erarbeiten und diesen dann auch noch zu vergrössern oder vielleicht gar eine Monopolstellung zu erringen. Zumindest wird immer ein gewisses Wachstum angestrebt. moneyDamit geht im allgemeinen auch eine verkaufstechnisch optimierte Effizienzsteigerung, eine Rationalisierung der Produktionsprozesse, eine Gewinnmaximierung einher. Was dabei leider verdrängt wird, sind weniger kommerziell ausgerichtete, dadurch qualitativ aber nicht mehr oder weniger hochstehende andere Projekte, die dann vom Markt oder vielmehr den Konsumenten leicht übersehen werden. Für die tägliche Lebensplanung wirken kommerziell erfolgreiche Produkte wie Platzhalter, die den endlichen Vorrat an Zeit, Energie und Geld schlichtweg aufbrauchen.

platzhalterDazu gibt es eine Reihe von Beispielen: Seien es Fertigprodukte und billig produzierte Lebensmittel aus dém Supermarkt, die eben auch satt machen. Seien es hochstilisierte Kino-Events, die eben auch einen Abend füllen. Seien es seichte TV-Serien und Doku-Soaps, die selbst die öffentlich-rechtlichen Sender bereits durchdringen. Sei es der Billigurlaub vom Diskonter, der eben auch eine Reise ist. Sei es die sich ständig neu erfindende und aus ehemals erfolgreichen Versatzstücken selbst-reproduzierende Pop-Musik, die eben auch Musik ist. Und so weiter.

Viele dieser Entwicklungen sind auch nicht zuletzt im Zusammenhang mit einer perfiden und zynischen Beschwichtigungs-, Betäubungs- und Ausbeutungsmaschinerie zu sehen, die auf geschickte und vielfach unmerkliche Weise an den Menschen verdient, die in ihrer arbeitsfreien Zeit versuchen, durch ihren Konsum den Arbeitsalltag für kurze Zeit zu vergessen. Dabei werden die die Lohn- und Gehaltsausschüttungen in hohem Masse wieder von denen abgeschöpft, die sie nur so ungern bereit sind, zu geben.