Tristan in Bayreuth

Die Marthaler-Regie ist eine konzertante Aufführung mit Pantomime – und trägt vielleicht so dazu bei, diese grossartige Musik mit diesen (fast) idealtypischen Stimmen noch mehr zur Geltung zu bringen.

Nach 12 Jahren unermüdlicher Wartezeit haben wir für die diesjährigen Bayreuther Wagner-Festspiele endlich Karten bekommen. Und das Warten, das wir allerdings mit etlichen Besuchen von Generralproben zugebracht haben, hat sich gelohnt.

Wenn auch die Kälte des Regiekonzeptes die Sänger zu teils seltsamer Nicht-Aktion anhält – musikalisch ist dieser Tristan sicher ein Meilenstein. Unter Peter Schneiders (routinierter) Stabführung singen Nina Stemme (Isolde), Robert Dean Smith (Tristan) und Kwangschul Youn (König Marke) mit einer nie gehörten Leichtigkeit, und die beiden Herren dazu noch wunderbar textverständlich, dass alle Schwierigkeiten dieser Partien vollkommen vergessen lässt. Da wirkt nichts forciert, oder am Rande des stimmlich Möglichen. Alles klingt souverän, fast spielerisch. Und so stellt sich dem unaufhörlichen Fluss, den diese Musik hat keinerlei Irritation in den Weg: es strömt.

Wäre da nicht Christoph Marthaler, der es allerdings kaum schafft, dem klanglichen Ereignis, dem man da beiwohnen durfte, auch nur irgendetwas in den Weg zu stellen.