Uli Rennert | Zawinul’s Birdland in Konkurs
Uli Rennert ist Pianist, Komponist und Elektroniker und lebt als freischaffender Musiker und Universitätsdozent in Graz in Österreich. Uli Rennerts künstlerische Arbeit dreht sich seit vielen Jahren um den Einsatz von Synthesizern und Live-Elektronik als expressives Instrumentarium und um die Erforschung der Schnittstellen zwischen Komposition und Improvisation. - Uli Rennert is an Austrian pianist, synthesist, and composer. Rennert is focusing on synthesizers and live-electronics used as expressive musical instruments, and he explores the area between composition and improvisation.
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Zawinul’s Birdland in Konkurs

Zawinul’s Birdland in Konkurs

Wie Ljubisa Tosic heute im Standard (Der Standard) berichtet, muss das Wiener Birdland nun in Konkurs gehen.

Als Grund wurden im Antrag die hohen Kosten des einstigen Umbaus der Lokalität angegeben, …

Das Birdland hatte bald nach seiner Eröffnung Probleme bekommen. Die Baukosten (…) wurden zum Teil fremdfinanziert und konnten durch den operativen Bereich nicht erwirtschaftet werden.

Das endgültige Aus für das Birdland soll damit aber nicht besiegelt sein. Die Betreiber würden nach der Sommerpause den Spielbetrieb wie geplant am 19. August wieder aufnehmen. Auch seien an sich schon Konzerte bis in den Herbst hinein geplant gewesen. Ob dies gelinge und das Konkursgericht eine Fortführung genehmigt, bleibe aber abzuwarten, ….

Zawinul BirdlandNun ist es aber auch so, dass das Birdland im Keller des Wiener Hilton nicht gerade das ist, was sich Jazzmusiker und Fans unter einem Jazzclub vorstellen. Sitzt man in den aufwendig (und kostspielig?) gestylten Räumen des Clubs, hat man eher den Eindruck, sich in die Hotelbar verirrt zu haben – was für einen guten Teil des Publikums wahrscheinlich auch zutreffen mag. Da ist nichts gemütlich, da ist nichts improvisiert, da ist nichts gewachsen. Und steht man dort auf der Bühne, kämpft man mit der Akustik, mit dem Platz, mit der Anlage, … Immerhin darf man im Hilton wohnen – sehr untypisch.

Zawinul BirdlandZu der etwas verfehlten Anmutung des Birdland kam in den Jahres des Bestehens eine etwas seltsame Programmpolitik, die kaum dazu angetan war, hier einen Platz der kreativen Auseinandersetzung mit improvisierter Musik zu schaffen. Gab man anfangs die üppigen Mittel grosszügig für prestigeträchtige internationale Namen aus, so fehlte es bald, als das Geld nur noch für lokale Grössen reichte, an echten Ideen.

Hinzu kommt die Konkurrenz, zu der man nicht Konkurrenz sein will: Das Porgy & Bess hat einfach alle Attribute eines Jazzclubs, und da ist es sicher schwer, ein Alternativprogramm zu gestalten, das von der lokalen Zuhörerschaft angenommen werden kann und nicht nur chic die Laufkundschaft bedient.

Die Forderung nach Unterstützung richtet sich an die öffentliche Hand, vor allem an die Stadt Wien. Diese könne nicht so tun, als ob sie das Birdland nichts mehr anginge.

Es genügt eben nicht, wenn man einem der grössten Kinder (dies auch im Wortsinn!) der Stadt Wien schnell mal eben einen Club bastelt. Da braucht es auch Verständnis für Inhalte und kulturelle Gegebenheiten. Mir scheint dies ein Beispiel dafür zu sein, wie Kulturpolitik oft gemacht wird: im Umfeld von öffentlichen Auftritten und Empfängen wird geplant und konzipiert, von Menschen, die von der eigentlichen Sache keine Ahnung haben – und auch nicht auf die Idee kommen, jemanden um entsprechenden Rat zu fragen.

Schade.

2 Comments
  • uwe rosteck

    13. Oktober 2008 at 10:36

    wenn du probleme mit der akustik oder der technik hattest, hast du offensichtlich keine ahnung davon. hier hat sich das birdland ganz klar von den anderen clubs der stadt (einschl. dem ‚porgy‘) abgesetzt. improvisiert wurde von mir als technischen leiter auch genug, um einen laufenden betrieb zu gewährleisten. zum porgy: wenn das birdland auch so grosszügig von der bank austria unterstützt worden wär wie das P&b, würde es dasselbe heut noch geben. was einmalig zum birdland an geldern gesflossen ist, hat das p&b in 3 jahren bekommen. kultur ist nunmal reiner luxus & muss vom staat oder der industrie gefördert werden. in sachen konzeption & planung muss ich dir recht geben – genau das sind die punkte, die mir & meinen kollegen den job dort so erschwert haben. ich bin einer der gläubiger..

  • Uli Rennert

    18. Oktober 2008 at 18:10

    @ uwe rostek: „wenn du probleme mit der akustik oder der technik hattest, hast du offensichtlich keine ahnung davon.“
    Wahrscheinlich hast Du recht — ich habe keine Ahnung …